Et maintenant? Ein Kommentar.

Et maintenant? Ein Kommentar.

Entsetzen, Ohnmacht, Trauer und Wut. Diese Gefühle haben seit diesem verhängnisvollen 07. Januar 2015 meine Tage und Nächte bestimmt. Ich bin zutiefst besorgt und frage mich, was die feigen Pariser Anschläge nun aus uns und unserer freien Gesellschaft machen. Schon rufen Sicherheitsfanatiker nach noch mehr Überwachung und strengeren Gesetzen, fordern die neuen ewig Gestrigen in Frankreich die Wiedereinführung der Todesstrafe, kursieren die ersten Verschwörungstheorien im Netz und teeschlürfende Intellektuelle beklagen den mangelnden Respekt der Satiriker gegenüber dem Islam.

Bin ich weltoffen und tolerant? JA. Habe ich ein Problem mit der Weltreligion Islam und seinen Gläubigen? Absolut NEIN. Die religiösen Fanatiker machen mir jedoch trotzdem Angst. Möchte ich in einer multikulturellen Gesellschaft in Sicherheit leben? Ein klares JA. Bin ich deshalb bereit, einer noch mehr ausufernden Ausspähung zuzustimmen? Ein entschiedenes NEIN. Und zu guter Letzt die Frage: Bin ich wirklich Charlie? JA! Die Freiheit der Meinung ist eine – wenn nicht sogar die wichtigste – Errungenschaft der Aufklärung und der starke Ausdruck unserer Freiheit. Personen, ob prominent oder nicht, die eine eigene Meinung haben und diese (auch öffentlich) gegen alle Widerstände vertreten, sind äußerst wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft. Eine Selbstzensur darf unter keinen Umständen stattfinden. Es zeigt sich hier das ganze Ausmaß meiner inneren Zerrissenheit. Klinische Psychiater würden mir wohl in diesen schwarzen Tagen eine beginnende Schizophrenie diagnostizieren.

Und nun? 100%ige Sicherheit gab es bisher nicht und wird es auch in Zukunft nicht geben. Auch wenn es hart klingen mag: Es wird so weitergehen wie bisher. Menschen werden sich hassen und töten, finale Gerechtigkeit hat uns niemand versprochen. Dieser Tage habe ich irgendwo folgende Sätze gelesen: „Ich habe keine Antwort. Oder jeden Tag eine andere. Ich versuche, kein Arschloch zu werden. Nicht an einfache Lösungen zu glauben. Nicht feige zu werden. Mehr ist nicht drin.“ D`accord.

Bild: „My little Paris“; mylittleparis.com

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Dieser Artikel wurde geschrieben von
Anke Eberle

Mehr Pippi, weniger Annika.

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