Die irrwitzige Geschichte des Allan Karlsson perfekt inszeniert

Die irrwitzige Geschichte des Allan Karlsson perfekt inszeniert

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Manche, die den Bestseller „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ des Schweden Jonas Jonasson gelesen haben, werden sich fragen, wie es wohl zu schaffen ist, die irrwitzige Lebensgeschichte des eigenwilligen Charakters Allan auf einer Festspielbühne zu inszenieren. Wie wird die beschwerliche Überquerung des Himalaya gezeigt? Und wie die Szene gelöst, in der sich Elefantendame Sonja auf den Ganoven setzt? Vorneweg: all dies gelang. Und wie!

Die Geschichte in Kurzform: Allan Karlsson hat keine Lust seinen 100. Geburtstag zu feiern. Bürgermeister, lokale Presse und das Pflegepersonal des Heimes, in dem er lebt, bereiten eine große Feier vor. Doch der hochbetagte Mann hat ganz andere Pläne – er steigt aus dem Fenster seines Zimmers und verschwindet einfach. Zu Beginn seiner Flucht, die ihn erstmal zum nächstgelegenen Busbahnhof führt, gelangt er eher zufällig an einen Koffer voller Geld. Er nimmt ihn mit und so kommt es, dass nicht nur die Polizei hinter ihm her ist, sondern auch eine Verbrecherorganisation, die ihren Koffer wieder zurück haben will. Aber Allan hat Glück und findet auf seinem Weg Verbündete: den Gelegenheitsdieb Julius Jonsson, den ewigen Studenten Benny Ljungberg und die Elefantenbesitzerin Gunilla Björklund.

Soweit die Rahmenhandlung. Richtig amüsant wird das Stück allerdings durch wechselnde Schauplätze rund um den Erdball und durch die verschiedenen Zeitebenen, in denen das Stück gespielt wird. Allan, der nach eigenen Angaben an Politik nicht das geringste Interesse hat, ist stets zur richtigen Zeit am passenden Ort und lernt in den jeweiligen Epochen (meist) unfreiwillig die aktuell Regierenden kennen und ist irgendwie immer in große historische Ereignisse des 20. Jahrhunderts verwickelt. Die Flucht durch Schweden erlebt der Zuschauer in Jetztzeit.

Es bedarf einer großen Portion Mut, sich an diesen witzigen und zugleich so vielschichtigen Roman heranzuwagen. Regisseurin Eva Hosemann bewies diesen Mut und es gelang ihr eine grandiose Inszenierung mit hohem Tempo. Natürlich mussten Kürzungen vorgenommen werden, nichtsdestotrotz finden sehr viele Ortswechsel im Bühnenstück statt. Hosemann selbst sagte in einem Interview die „Aufführung gleiche fast einem Kasperletheater für Erwachsene mit klaren Zeichen“.

Die Körpersprache der Schauspieler ist entscheidend. Franz-Joseph Dieken brilliert als Allan Karlsson; mühelos verändert er seine Körperhaltung und gleitet so von der Darstellung des gebrechlichen Greises über zum jugendlichen kraftvollen Allan, der im Saft seines Lebens steht.

Insgesamt begegnet man rund fünfzig verschiedenen Figuren auf der Bühne, die vom Ensemble gekonnt in Szene gesetzt werden. Besonders herausragend: Karsten Kramer gibt beispielsweise den gehetzten Kommissar, der immer einen Schritt zu spät kommt, oder aber Achmed Ole Bielfeldt, der zahlreiche Rollen übernimmt und die Zuschauer spätestens in seiner Rolle als Mao Tse Tung von seinen hohen schauspielerischen Qualitäten überzeugt. Lachen garantiert!

Stephan Bruckmeier entwarf das so einfache wie geniale Bühnenbild; fast möchte man schreiben „er verfasste das Bühnenbild“. Es gibt insgesamt wenig Requisiten, die meisten davon mit humorvollen Beschriftungen. Vieles an diesem Bühnenbild ist plakativ und man muss als Zuschauer manchmal schon ganz genau hinschauen, ein 2. Blick lohnt sich fast immer. Da ist zum Beispiel der Tisch. Als Allan mit US-Präsident Truman in einem mexikanischem Restaurant Tequila trinkt, steht darauf „Los Essos“, bei einer späteren ähnlich gelagerten Szene mit Stalin ist auf diesem Tisch schlicht „Vodka“ zu lesen – um nur zwei Einsätze dieses Requisits zu nennen.

„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ wird erstmals in Deutschland auf eine Freilichtbühne gespielt. Tickets unter Tel. 07943 / 912345. Weitere Informationen zu den Festspielen gibt es unter www.burgfestspiele-jagsthausen.de

Titelbild und Galeriebild: © Burgfestspiele Jagsthausen

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Dieser Artikel wurde geschrieben von
Anke Eberle

Mehr Pippi, weniger Annika.

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