Der Themendienstag: Bedingungsloses Grundeinkommen für ein Jahr. Michael Bohmeyer hat eine Vision.

Der Themendienstag: Bedingungsloses Grundeinkommen für ein Jahr. Michael Bohmeyer hat eine Vision.

Vorneweg: Bei Bohmeyers „Grundeinkommen“ handelt es sich nicht um ein wirkliches Grundeinkommen, da es nicht allen und nur für die Dauer eines Jahres gezahlt wird. Es ist eher ein Experiment, oder auf Neusprech „ein Projekt“. Michael Bohmeyer will damit die gesellschaftliche Debatte um das BGE wieder in Schwung bringen und der spannenden Frage auf den Grund gehen, was wohl passieren würde, wenn Menschen plötzlich ein Grundkommen erhielten.

Während ich diesen Artikel schreibe, haben bereits 17.580 Menschen Bohmeyers Idee unterstützt und somit insgesamt acht Grundeinkommen finanziert. Aktuell wird für das 9. zu verlosende Einkommen gesammelt, 8.235 Euro von den benötigten 12.000 Euro kamen hierfür schon zusammen. Sein Grundeinkommen wird an eine zufällig ausgewählte Person vergeben, ohne Bedingungen und ohne Ansprüche. Die Gewinner müssen keine Rechenschaft ablegen.

Michael Bohmeyer ist ein Berliner Jungunternehmer. Im Sommer 2014 kam ihm die Idee zu einem Projekt: Über Crowdfunding soll Geld für ein einjähriges Grundeinkommen in Höhe von monatlich 1.000 Euro gesammelt werden. Er selbst erhält seit seinem Ausstieg 2013 ein „kleines Grundeinkommen“ aus der Beteiligung an zwei Internet-Startups. In seinem Präsentationsvideo erzählt Bohmeyer, dass dies sein Leben so spektakulär beeinflusst habe, dass er diese Erfahrung mit möglichst vielen Menschen teilen wolle.

Bohmeyer ist überzeugt davon, dass es mit einem bedingungslosen Grundeinkommen endlich Gleichheit gäbe und setzt für die Realisierung seines Projektes auf Crowdfunding. Jeder User kann die Idee mit einem beliebigen Betrag unterstützen; wann immer 12.000 Euro zusammen gekommen sind, findet die Verlosung statt.

Um gewinnen zu können, muss man sich vorher auf www.mein-grundeinkommen.de registrieren, wobei die Registrierung an sich völlig kostenlos ist. Der „Gewinn“ wird völlig willkürlich per Verlosung vergeben. Verlost wird das Einkommen auch deshalb, weil somit die monatliche Überweisung immer bedingungslos ist, auch die finanzielle Situation der Registrierten hat keinerlei Einfluss auf die Gewinnchancen.

Zusätzlich zum klassischen Crowdfunding auf der Website hat sich Bohmeyer zwischenzeitlich noch einen weiteren Weg überlegt, weitere Grundeinkommen zu finanzieren: Die sogenannte „Crowdbar“ kann man auf seinem Internetbrowser installieren. User können sich damit bei Online-Einkäufen über mein-grundeinkommen.de zum Warenkorb zurückleiten lassen – vom entsprechenden Online-Shop fließt bei jedem so getätigten Einkauf eine Provision an Bohmeyers Organisation bzw. deren Gewinntopf. Für die Kunden entstehen durch die Nutzung der Crowdbar keine zusätzlichen Kosten.

Projekte entwickeln erfahrungsgemäß bei Erfolg schnell eine eigene Dynamik. So auch bei Michael Bohmeyer. Es geht in eine neue Phase, das Team rund um ihn ist größer geworden und es wurde eine weitere Möglichkeit entwickelt, Einnahmen zu generieren. Mit der „Crowdcard“ – ähnlich den Punktesammelaktionen in Supermärkten – kann nun auch außerhalb des Internets für Grundeinkommen Geld gesammelt werden.

Der Vorteil von Crowdbar und Crowdcard ist die komplette Anonymität bei der Verwendung.

Auch Vertreter aus der Politik wie Katja Kipping von den Linken oder die Grüne Jugend sind auf das verloste Grundeinkommen aufmerksam geworden und suchen die Nähe zu dem jungen engagierten Berliner. Bohmeyer redet mit allen über seine Vision, bleibt aber selbst überparteilich.

Die Idee, Arbeit und Einkommen zu entkoppeln, ist nicht neu, hat aber mit der viel beschriebenen Generation Y eine andere Art von Fürsprechern gefunden. Buntere Lebensentwürfe und die immer wieder geradezu mantramäßig beschworene bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie fordert diese Generation geradezu. Und sie fordert dies auf den bekannten Social Media Kanälen – und genau hier holt Bohmeyer diese Menschen ab. Diese Generation ist mitnichten unpolitisch, dieser Vorwurf wird ihr zu Unrecht gemacht, sie drückt ihren politischen Willen nur anders, eben zeitgemäß, aus.

„Immer mehr Menschen erkennen, dass wir eine neue Organisation unserer Wirtschaft brauchen, dass Arbeit in unserer Gesellschaft neu organisiert werden muss“, so Bohmeyer in einem Interview mit der taz. Es gäbe nicht mehr genug Arbeit für alle und jene, die Arbeit hätten, fühlten sich oft überlastet, so führt er weiter aus.

Menschen wie Michael Bohmeyer tragen dazu bei, unsere leistungsorientierte Gesellschaft ein bisschen gerechter zu machen. Durch seine Idee können einige Mitmenschen ihr Leben freier gestalten und ein Leben ohne Existenzangst führen, wenn auch nur auf Zeit.

Das letzte Ende Februar verloste Grundeinkommen gewann Josefine. Sie erhält nun seit 1. März 2015 ein Jahr lang monatlich 1.000 Euro. Die glückliche Gewinnerin gab an, mit den ihr nun zusätzlich zur Verfügung stehenden Geldern Ideen für sich, ihre Familie, die Gesellschaft und für die Umwelt verwirklichen zu wollen. Und selbstverständlich möchte sie für das nächste Grundeinkommen spenden.

Eines der Ziele Bohmeyers für 2015 ist es, bis Ende des Jahres 100 Grundeinkommen zu finanzieren. Dann möchte er einen Kongress veranstalten auf dem die Gewinner dann erzählen können, dass ihre Welt anders und hoffentlich besser war. Ein ganzes Jahr lang.
 


Alle Informationen rund um das Projekt sind unter www.mein-grundeinkommen.de zu finden.

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Dieser Artikel wurde geschrieben von
Anke Eberle

Mehr Pippi, weniger Annika.

Es gibt 1 Kommentar für diesen Artikel
  1. Thomas um 13:39

    Die Meinungen zum Bedingungslosem Grundeinkommen gehen immer noch in die unterschiedlichsten Richtungen. Ich selbst finde den Grundgedanken wirklich gut, zumal sehr viele Menschen endlich wieder an Lebensqualtiät gewinnen würden. Allein dies ist schon ein Grund, um an dem Thema festzuhalten.

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